Alexandros Grigoropoulos – Ein Nachruf

Aldous Huxley: Die größten Triumphe der Propaganda wurden nicht durch Handeln, sondern durch Unterlassung erreicht.

Na? Weiß noch jemand wer Alexandros Grigoropoulos ist? Oder eher gesagt: Weiß noch jemand wer das war? Richtig… Der Schüler, der vor drei Monaten in Athen von einem verantwortungslosen Idioten von Polizisten erschossen wurde.

Dass sich hier in Deutschland vielleicht niemand mehr an diesen Namen erinnert ist verständlich. Aber ich verwette meine primären Geschlechtsmerkmale, dass sich selbst in Griechenland die Mehrheit der Menschen nicht  mehr an diesen Namen erinnert.

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Die Rückkehr – Vorwort

Als Themis an jenem Morgen die seine Tankstelle betrat, spürte er, dass es ein Tag wie jeder andere werden sollte. Auch wenn er sich nicht bewusst war, dass er seinem Bauchgefühl folgte, als er davon ausging, dass es ein Tag wie jeder andere in den letzten Jahren werden würde.
Nein.
Er wusste nicht einmal, dass er etwas wie ein Bauchgefühl hatte. Er schloss die Tür der kleinen Taverne auf, die gleichzeitig als kleine Tankstelle mit drei Zapfsäulen fungierte. Auf einem der Tische, die gleich neben der Tür waren war, stand ein Glas mit einem letzten Schluck Cutty Sark, der schon seit Stunden auf dem Glasboden angetrocknet war. Er schlurfte am Tisch vorbei, murmelte dabei etwas Undefinierbares und nahm dabei das Glas beiläufig mit, um es in die Spüle zu stellen. Euthemia würde in ein paar Stunden runterkommen und den Abwasch machen.
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Randale und Chaos in Athen

Nachdem ein Polizist in Athener Viertel Exarchia einen fünfzehnjährigen Jungen ermordet hat, ist es zu Ausschreitungen gekommen. Wie in den griechischen Medien in den letzten Tagen immer wieder mit unterschwelligem Stolz betont wurde, sind wir „auf den Titelseiten der internationalen Berichterstattung“. Als ob es im Moment nichts Wichtigeres gäbe…

Die Ermordung des jungen Alexandros Grigoropoulos ist ein tragisches Ereignis. Was sich jetzt allerdings die autonomen Chaoten davon versprechen halb Athen in Brand zu setzen wissen die wahrscheinlich selbst nicht so wirklich…

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Der Archimedische Hebel – Prolog

Manchmal glaube ich, es war meine Schuld. Wenn ich dann aus dem Fenster blicke, auf eine Welt die sich weiterdreht, ganz egal ob ich es wahrnehme oder nicht, glaube ich zu wissen, was ich nicht wissen will. Dann fühle ich tief in mir eine Kraft, vor der ich mich fürchte. Ist es am Ende wirklich so, dass jeder Mensch der Sklave seiner eigenen Tabula Rasa ist? Eine ungeschliffene, rohe Existenz, die sich selbst gestaltet und so formt, wie es die eigenen Vorstellungen einem befehlen? Bei manchen die eigenen Wahnvorstellungen? Ein Sklave, seinen eigenen Vorstellungen verpflichtet? Ein Hamster in einem Laufrad, der nicht bemerkt, dass er sich nicht von der Stelle rührt?
Dort unten, viele Meter unter mir betrachte ich das unübersichtliche Durcheinander von Existenzen, von denen jede Einzelne einem Ziel entgegen läuft. Einem Ziel, das von hier oben, aus dem 5. Stock sein wahres Gesicht zu zeigen scheint. Ein Schwindel erregendes Gewimmel, das immer mehr wie ein flimmerndes Etwas aussieht. Ein flackerndes, zielloses Chaos.
In solchen Momenten, wenn mich jede seltsame Schwermut übermannt, denke ich oft an meinen Freund Łukasz. Łukasz, der schon seit Jahren tot ist. Łukasz, der ein Hebel sein wollte. Łukasz, der glaubte den Punkt aller Punkte gefunden zu haben. Łukasz, der gerne für etwas gestorben wäre, was es ihm wert war. Aber dieses Glück hatte er nicht.

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Der Aufstand der Schweigenden

Eile… Die Menschen haben es eilig.
Sie laufen durch die Innenstadt einer typischen, deutschen Großstadt und es scheint, als wollten sie alle nur so schnell wie möglich und auf dem direktesten Weg ans Ziel gelangen. Welches Ziel dies auch immer sein mag. Mitten unter ihnen, befindet sich ein Mensch, der mit Sicherheit keinerlei Aufmerksamkeit erregen dürfte. Zumindest nicht mehr oder weniger, als alle anderen, die durch die Massen gleiten. Ein grauer Mantel, dessen Saum sich bereits zu lösen beginnt, ein schwarzer Schal und eine abgetragene, schmutzig-grüne Hose. Er hat nur noch einen dünnen Haarkranz, der an den Schläfen bereits zu ergrauen beginnt, obwohl er die 50 gerade erst überschritten hat. Anscheinend nur einer unter vielen. Vielleicht aber auch ein Mensch, der anders sein möchte, als die Masse, kein Teil des Gleichmaßes, das man „Leute“ nennt. Vielleicht ein… Jemand.
Jemand, der sich vorstellt wie es sein würde, wenn er beginnen würde zu denken. Nicht etwa ein gewöhnliches Denken, das man an jedem Augenblick macht. Nein, er stellte sich vor wie es sein würde nachzudenken.

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